Google und die wirtschaftliche Depression - 28 Juli 2009

Googlen Sie "economic depression" und Sie werden wahrscheinlich auf Larry Summers stossen...

DAS PROBLEM mit Statistiken, wie jeder Wirtschaftsprofessor bestätigen kann, liegt darin, dass sie nicht auf Daten der Zukunft sondern auf denen der Vergangenheit beruhen - oft nicht einmal bis zum aktuellen Zeitpunkt.

Das gilt für die Einnahmen des letzten Quartals sowie für das Bruttoinlandsprodukt.  Man kann nur schätzen, wie das Resultat ausfällt, bis es historisch und damit offiziell wird. Selbst die 'Ergebnisse der letzten Minute' schliessen die aktuelle Minute aus. Patchwork-Modelle wie die von Greg Mankiw von Harvard bestätigen das. Und sein Freund von Harvard Larry Summers (ehemaliger Finanzminister unter Bill Clinton und Rektor von Harvard bevor er Obamas Chief Economic Advisor bekam) sollte das auch wissen.

Summers hat jedoch letzte Woche in einer Rede eine Statistik erwähnt, bei der man nur denken könnte, er habe die Grundlagen der empirischen Forschung vergessen, geschweige denn einen gesunden Menschenverstand. Er erklärte in seiner Rede am Peterson Institute for International Economics, dass 'der freie Fall der Wirtschaft beendet sei', berichtet Politico.com, wobei er sich auf eine Statistk bezog.

Welche Statistik meinte er wohl damit? 'Die Anzahl der Personen, die 'economic depression' (übersetzt: wirtschaftliche Depression) suchen, ist zurück auf ein normales Volumen.'

Wie man hier sieht, wurde der Suchbegriff 'wirtschaftliche Depression' Anfang 2009 offensichtlich vier mal so oft eingegeben als vorher, erklärte Summers am Anfang des Jahres.

Im November, als Summers sich als Teil des Obama-Team auf die anstehenden Wahlen vorbereitete, wurde dieser Begriff sogar noch häufiger gegoogelt.
Vor zwei Wochen erklärte er stolz: 'Diese aktuelle Veränderung zeit, dass das Vertrauen der Konsumenten zugenommen hat.'

'Wenn wir am Anfang des Jahres vor einer Katastrophe standen, befinden wir uns jetzt wieder weit weg von dem Abgrund.'

Okey, vergessen wir mal, wie absurd eine Einschätzung der Wirtschaft anhand der in Google eingegebenen Suchbegriffen sein mag. Es macht auch nichts aus, dass nach Summers Logik (im englischsprachigen Raum) Led Zeppelin 2007 bei weitem am bekanntesten waren... die Nachfrage nach Essensmarken auf eine jahrhundert Hausse deutet... und 'free viagra' seit 2004 nie so gesucht war. (Larry Summers eigener Google Trend scheint eher unregelmässig und ziellos, daher haben wir dazu keine Stellungnahme).

Das wirkliche Problem mit Summers Theorie ist, dass die Datenserie noch nicht beendet ist.

Huh! Sehen Sie mal, was sich in die Suchergebnisse eingeschlichen hat, seit er sie das letzte Mal aufgerufen hat und die Resultate vom Juli in die Statistik eingeflossen sind.

Natürlich hat Summerss Aussage dazu gebracht, dass diese zwei Worte öfters gegoogelt wurden, wie man klar in Google Trends der letzten 30 Tage sieht. Der Suchbegriff hat am Freitag der Aussage massiv zugenommen und danach sofort wieder abgenommen. Obamas Berater selber wird uns wieder an den Rand einer Katastrophe führen, wenn er wirklich glaubt, dass solche Statistiken für die Wirtschaft überhaupt aussagekräftig sind.

Adrian E. Ash, 28 Jul '09

ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications, Londons Top-Verlagshaus für Finanzpublikationen und zwischen 2003-2008 City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist regelmäßiger Autor für 321gold, FinancialSense, GoldSeek, Prudent Bear, SafeHaven und Whiskey & Gunpowder neben vielen anderen führenden Investmentportalen, zu denen er als Goldmarkt-Experte beiträgt. Darüber hinaus ist Adrian Ashs Meinung auch bei renomierten Medien und Nachrichtendiensten wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg oder auch dem Stern gefragt.