Dieses Mal ist es anders... - 24th April 2009
60 Jahre Verbraucherkredit haben uns in eine wahre Depression geführt...
Unserer Meinung nach, schreibt Bill Bonner in seinem Daily Reckoning, ist das keine Rezession... das ist eine Depression.
Während einer Rezession funktioniert der bullische Markt nach derselben Formel: Er braucht nur etwas Zeit, um sich zu erholen... etwas Atem holen... Bestände abbauen... und Bargeld neu aufbauen.
Aber während einer Depression funktioniert diese Formel nicht mehr.
Während der letzten 60 Jahren wurde die amerikanische Wirtschaft durch steigenden Konsum getrieben. Am Anfang war das Wachstum ein gesundes Wachstum, denn die Bevölkerung hatte während des Krieges gespart. In den Jahren Eisenhowers kehrten Menschen zur Arbeit in der Konsumwirtschaft zurück, sie heirateten, hatten Kinder und gaben Geld aus.
Damals war Amerika der führende Kreditgeber... der führende Ausführer... der führende Produzent... und auch das führende Land in allen anderen Bereichen... Im Laufe der Zeit haben sich jedoch Amerikaner an ihren Status gewohnt. Anfang der 70er Jahre dachte die Regierung Nixon, dass sie ihre Währung nicht mehr durch Gold stützen brauchte und den Goldstandard abgebaut. In den 80er Jahren wandelten sich die USA von Nettogläubiger in Nettoschuldner. In den 90er Jahren gaben amerikanische Konsumenten mehr Geld aus, als sie verdienten... und Anfang des 21. Jahrhunderts hatten sie das Sparen ganz und gar aufgegeben - und machten sich von armen Sparer z.B. in China abhängig, um weiterhin über Ihre Verhältnisse leben zu können.
Jedesmal wenn dieses System in den letzten 25 Jahre eine rezessionistische Korrektur erlebte, stimulierten die Regierung und die Fed die Verbraucherausgaben durch leichtem Kredit. Und jedes mal folgen Konsumenten diesem Vorbild und verschuldeten sich weiter. Das ist der Grund, warum die Finanzindustrie so gewachsen ist. Sie hat immer mehr Schulden auf immer verrückter und verblüffender Art und Weise verkauft.
Dieses Mal ist es anders. Dieses Mal war die Antwort der Regierung 0% Zinsen... und Hilfegelder in der Höhe von $13 Billionen. Dieses Mal scheinen die alten Tricks jedoch nicht zu helfen. Dieses Mal funktioniert die Formel nicht. Konsumenten haben heutzutage schon viel zu viel - und sind nicht in der Lage, dafür zu bezahlen. Sie haben keine Wahl; Sie müssen weniger ausgeben. Das ist keine Pause im Zyklus des ansteigenden Konsums, der Schulden und der Spekualtion. Es ist der Wendepunkt im Zyklus, an dem weniger Konsum und weniger Schulden stehen, was automatisch mehr sparen bedeutet, nicht weniger sparen.
Daher ist die heutige eine Depression. Ohne Eingriffe wird es in den folgenden Jahren in diesem Zyklus fallende Anlagepreise und Anleihenpreise geben, dafür steigende Ersparnisse. Aktienkurse werden wieder auf einen attraktiven Niveau sinken - mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8, 7 oder 6 oder weniger. Und mit Dividenden von über 5% pro Jahr.
Wenn das passiert, werden Investoren natürlich ihr Interesse in Aktien verloren haben. Finanz-zeitschriften werden die Börse 'totgeschrieben' haben.
Bis dahin wird auch die Wirtschaft umstrukturiert geworden sein. Es wird weniger Einzelhandel geben und viele Einkaufszentren werden haben. Der Lebensstandard in den USA wird niedriger sein und viele derjenigen, die heute im Finanzsektor arbeiten, werden das tun, was sie eigentlich schon immer hätten tun sollen: Auf der anderen Seite stehen.
Bill R. Bonner ist der Gründer und CEO von Agora Inc., einer der grössten Verlage für Investionen und Beratung. Er ist auch der Editor von The Daily Reckoning (im deutschprachigen Raum Investor Verlag) und Author u.a. von dem Bestseller Das Schuldenimperium.
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