Die Gefahr von billigem Geld - 19 Juni 2007

Anleger, Vorsicht! Die Erzeugung von Wert wird schnell in das Einkassieren von Profit umgewandelt...

„UND WARUM sollte er nicht verkaufen? Er würde doch schliesslich niemals so viel Geld verdienen, wenn er nur Käsetoasts und Kaffee servieren würde…

Denn ganz genau das hat er 40 Jahre lang gemacht. Jetzt sind sein Kaffee und seine Wohnung über der Bude £2.5 Millionen (knapp €4 Millionen) Wert. Er könnte von heute auf morgen reich werden.

Und was passiert, wenn Costa Coffee oder eine der anderen grossen Kaffeeketten an seiner Stelle einziehen? Das Londoner Soho würde ein bisschen von seinem Charakter verliere… eine Institution. Na und? Diesem Typ ist das bestimmt egal. Er steckt das Geld ein und muss nie wieder einen Kaffe servieren.

Der Besitzer kann sich reich zurückziehen. Ein Kettengeschäft oder eine Einrichtung aus der City bekommen eine prima Stelle. Und der Immobilienmakler kassiert eine saftige Kommission – und natürlich bekommt auch die Regierung die Verkaufssteuer. Jeder gewinnt daraus, oder so wäre es… wenn nur Soho nicht so fad wie der Rest von London würde.“

Da muss man sich wundern: Ist man nirgendwo vor billigem Geld geschützt? Ein Freund hat mir am Sonntag bei einer Taufe diese Geschichte erzählt!

Die ganz niedrigen Zinssätze – runter bis Null und noch weiter runter im Vergleich zur Inflation – machen nicht nur in einer Kirche zu viel Lärm. Sie haben auch die Hauspreise in West London in den letzten 12 Monaten um ein Fünftel nach oben geblasen. Und die Regierungen so gut wie kleine Anleger wandeln sich in ganztätige Finanzspekulanten.

„Welle Öldollar erschüttert Grossbritannien“ meldet The Financial Times. Ein Fond in Saudi Arabien besitzt jetzt 3,1% von HSBC, eine der weltweit grössten Banken. Dubai International Capital besitzt auch einen grossen Teil davon. Von Qatar kontrollierte Fonds besitzen 17,6% von Sainsbury’s, die zweitgrösste Supermarktkette in Grossbritannien.

Britische Anleger eines bestimmten Alters werden wohl den Mechanismus wieder erkennen. „Gelder aus dem Golf haben schon Mal Grossbritannien geflutet“, schreibt der Financial Times Berichterstatter Simeon Kerr. „In den 1970er Jahren führte die Kuwait Investment Authority, die Investitionsbehörde in Kuwait, den Weg und kaufte Teil von grossen Gruppen im Westen der Welt, zum Beispiel BP.“ Als das saudi-arabische Geld aus Grossbritannien danach desinvestiert wurde - parallel zu dem Sturz der Ölpreise, der von der Geldknappheit und der weltweit höheren Zinssätze verursacht war – erlitt der britische Pfund einen fünf jährigen Sturz von $2,50 auf nur $1,00 gegen den Dollar.

„Die aktuelle Geldwelle aus dem Golf, die von dem Ölboom verursacht wurde und die die Preise bis zu $78 gebracht hat, war auf einem anderen Mass", meint Kerr. Das Ende der 1970er Jahre war die letzte langfristige Phase, in der Geldentleihen finanziell mehr brachten als Geld zu sparen. Heutzutage sind Zinssätze für den US Dollar, den britischen Pfund, den Euro und die schweizer Franken wieder nahe Null.

Wenn man den chinesischen Yuan mit rein nimmt, ist es doch kein Wunder mehr, dass Ölpreise um das Dreifache in den letzten 5 Jahren nach oben geschossen sind! Das Überfluten mit Geld kehrt ganz einfach da zurück, von wo es hergekommen ist.

„Dank riesiger Verhandlungsüberschüsse in Asien und gewaltiger Öleinnahmen in Saudi Arabien und Russland", schreibt heute Reuters, „sind souveräne Reichtumsfonds, die dafür gedacht waren, einen Teil der nationalen Währung zu vervielfachen, in den letzen Jahren gedeiht.

Die 13 grössten Fonds haben nach Bewertungen von Lehman Brothers ein Kapital von insgesamt $2,1 Milliarden, das ihnen potentiell erlaubt, einen erheblichen Einfluss auf globalen Kapitalpreise auszuüben."

Kurz gesagt, heisst das, dass die von Regierungen verwalteten Agenturen heutzutage das liquide Kapital durch Anlagefonds kontrollieren, was dem jährlichen Bruttoinlandprodukt von China entspricht. Doch es gibt noch weitere Gefahren.

„Die OECD meint, dass die Währungspolitik für die Ankäufe schuldig sei“ teilt Yahoo mit. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sagt heute, dass „privates Beteiligungskapital eine wertvolle Rolle spielt, in dem es hilft, zu wenig leistende Firmen umzustrukturieren, [aber sie könnten] schädliche Folgen für Anleger [mit sich bringen]."

„Das aktuelle Wachstum im privaten Beteiligungskapital als Teil der Wirtschaft ist viel stärker als das vorherige Wachstum fremdfinanzierter Übernahmen am Ende der 1980er“ steht in einem Report der OECD, „das 1991 in Tränen und in mehreren Kriminalanklagen endete.“

Wessen Schuld sind die Kriminalanklagen, die 2008 und danach gegen die fremdfinanzierten Übernahmen gebracht werden? „Wenn der Preis von Geld in Teile der Weltwirtschaft geteilt wird", sagt die OECD, "wird es nicht mehr möglich sein, sein Angebot zu kontrollieren. Die Wiederverwendung dieses Geldes (mit festem Wechselkurs) ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbitragemöglichkeit, die den Boom des privaten Beteiligungskapitals leitet. Der grösste Beitrag zu dem Ausmass der globalen Liquidität in 2006 ist die chinesische Einschaltung des Devisenmarktes.“

Die Theorie erklärt, dass der chinesische Yuan wegen seiner direkten Verbindung zu dem Dollar nicht die Grösse des Booms der chinesischen Wirtschaft widerspiegelt. Auf jeden Fall bleiben die ganz niedrigen chinesischen Zinssätze viel niedriger als die Inflation. Im Frühling ist der Wechselkurs von einem Tag auf den Anderen bei der People’s Bank of China auf 1,57% gefallen, 12 Basispunkte niedriger als im Juni 2006, wie Wirtschaftler des Northern Trust mitteilen. Es war auch nur DIE HÄLFTE der offiziellen Rate der Konsumentenpreisinflation.

Demzufolge steigt die umlaufende Geldmenge in China ständig an… im April mehr als ein sechstel Jahr nach Jahr nach oben, zusammen mit einem Verdienst von 54% auf dem Shanghai Composite Stock Index allein seit Januar. Doch die Blase des chinesischen Geldes lässt die Kapitalpreise viel mehr als die nationalen Börsen steigen. Die $3 Milliarden Anzahlung an Blackstone von der chinesischen Regierung ist nur der Anfang davon.

„Die chinesische Regierung will ihren Eingang und ihre Rolle auf dem globalen Markt des privaten Beteiligungskapitals verstärken", sagt ein Konzernberater. "Dies ist oder wird Teil des Trends sein" meint dazu Stephen Schwarzman, Mitgründer von Blackstone.

„Blackstone ist der erste [Begünstigte], aber ich glaube, dass es im Laufe der Zeit noch mehr geben wird.“

Zurück in London ist in der Zwischenzeit die englische Regierung damit beschäftigt, ihre eigenen Monumente aus billigem Geld zu bauen. Und während sich die lokalen Stadtplaner hinter dem „Mangel an Wohnbau“ verstecken, versucht die britische Regierung so viel wie möglich von dem spekulativen Schaum abzukratzen.

„Planungsumbesetzung ebnet den Weg für neue Durchbrenner“ schreibt The Daily Telegraph heute. „Weg zu den Umlagestrassen“ meint die BBC. Neue Pläne, die diese Woche veröffentlicht wurden, zeigen, dass Autofahrer in Grossbritannien bis zu $2,5 pro Meile auf den am meisten befahrenen Strassen zahlen könnten.

In solch einer exzessiven Kreditlage kann man wohl nichts anderes erwarten. Auf dieser Weise kann man kaum den eigenen Lebensunterhalt verdienen und in produktiven Geschäften investieren ist nicht viel leichter. Die Werterzeugung kommt schlecht von der einfachen Gewinneinnahme weg.

Höhere Inflation, unmögliche Kapitalwerte und eine lockende Auswahl an Kaffees.

Lassen die Blase aus billigem Geld weiter wachsen.

Adrian E. Ash, 19 Jun '07

ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications, Londons Top-Verlagshaus für Finanzpublikationen und zwischen 2003-2008 City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist regelmäßiger Autor für 321gold, FinancialSense, GoldSeek, Prudent Bear, SafeHaven und Whiskey & Gunpowder neben vielen anderen führenden Investmentportalen, zu denen er als Goldmarkt-Experte beiträgt. Darüber hinaus ist Adrian Ashs Meinung auch bei renomierten Medien und Nachrichtendiensten wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg oder auch dem Stern gefragt.