Gehälter sinken bei wachsender Kreditblase - 21st April 2008

Gold zeigt, dass der durchschnittliche amerikanische Arbeiter heutzutage weniger verdient als vor vier Jahrzehnte...

KAPITALISMUS IST ALSO ein Wundermittel. Er heilt Symptome sowohl des Wohlstands als auch der Armut.

Die industrielle Revolution hat in Manchester begonnen, so die Legende. Moderne Geräte, konstantes Geld und fossiler Brennstoff wurden zusammengestellt, und das Resultat war so eklatant, dass die Menschheit aus ihrem mittelalterlichen Status heraustritt.

Die schottischen Wirtschaftler Adam Smith und Adam Ferguson sahen dieses Resultat und erfassten die moralische Leere: Wenn man auf die Befriedigung des sofortigen Konsums verzichtet, kann man die Ersparnisse in Fabriken, Maschinen und neue Entdeckungen investieren, die die Produktion der Menschen weiter zu wachsen bringt.

In der gleichen Zeit könnte ein Arbeiter dank der neuen Geräte mehr Produkte herstellen. Und dies könnte ihn bald reich machen. Nach der Webseite MeasuringWealth.com hat der durchschnittliche Arbeiter in England während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ungefähr £60 im Jahr verdient. Damals brauchte man nur £4,25, um eine Unze Gold zu kaufen. D.h. dass er das Entsprechende von 14 Unzen Gold verdiente, was £6.622 zu heutigen Preisen wert ist.

Ein Jahrhundert später, also 1971, war sein Verdienst bis zu einem 49 Unzen Gold entsprechenden Betrag gestiegen, also ungefähr £23.000 zu heutigen Preisen.

Das durchschnittliche Gehalt ist heutzutage in Grossbritannien nur £23.177 - in Gold gemessen sind die britischen Gehälter also in den letzten 37 Jahren kaum gestiegen.

Und wenn James Watt und die britische Bevölkerung ein Wunder erbracht haben, haben ihre Nachfahren in Amerika vor nicht langer Zeit einen anderen gezaubert. Mitten im grössten finanziellen und technologischen Boom haben sie es geschafft, den Wert ihrer Arbeit zu verringern.

Dies ist eine Gruppe Personen, denen die Natur so viele Segen geschenkt hat, dass sie ihren Verstand genommen hat. Und ihr Wohlstand wird auch gerade ausgeschröpft. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben eine reiche landwirtschaftliche Nutzfläche, die von einem Ozean zum Anderen reicht. Und trotz dem importieren sie Lebensmittel. In der Tat importieren sie eigentlich alles, was beweglich ist.

Jeden Tag sind die Einfuhren in die USA $2 Millionen mehr Wert als die Ausfuhren.

Vor der Nixon Administration (d.h. seit dem der durchschnittliche britische Arbeiter aufgehört hat, mehr zu verdienen) hätte es eine solche Unausgeglichenheit nicht lange geben können. Aber egal mit wie viel Gold, Berge und Weizenfelder Amerika gesegnet war, das alles war nichts im Vergleich zu dem Währungssystem nach 1971.

"Man erntet, was man sät", so heisst es auch in der Bibel. Doch in dem Zeitraum zwischen 1997 und 2007 konnten Amerikaner ernten, ohne zu sähen. Sie konnten verbrauchen, ohne zu verdienen. Sie konnten investieren, ohne zu sparen, und so viel sie wollten ausgeben, ohne ihr Geld zu erschöpfen. Sie waren die weltweit glücklichsten Personen - denn sie hatten die Weltreservewährung... und Zugang zu dem ganzen Weltkredit.

Das Wunder, das grundsätzlich das Währungssystem in der ganzen Welt veränderte, geschah am 15. August 1971, als Richard Nixon für das amerikanische Finanzministerium "das goldene Fenster schloss". Davor waren alle nationale Währungen an Gold geankert. Regierungen rechneten ihre Schulden in Gold ab. Da jede Papiergeldeinheit eine Option des Goldes des US-Finanzministeriums darstellte, war das Ministerium dagegen, zu viele Einheiten zu drucken. Aber nach August 1971 wurde der Anker des Weltwährungssystems gehoben und das System wurde der Kraft der Strömungen gelassen. Jetzt schwimmt alles auf einem Meer Papiergeld - und niemand weiss, was sich unten im dunklen Ozean befindet.

Die Chinesen, die verschwenderischen Amerikanern ihre Waren verkaufen, können nicht mit Dollar die Gehälter ihrer Angestellten zahlen. Sie brauchen lokale Währung. So wechselten sie Dollar in Yuan um. Und woher hatte die chinesischen Zentralbank genügend Yuan, um 3 Trilliarden Dollar zu kaufen? Sie musste sie erzeugen.

So wie die Dollarreserven auf der ganzen Welt stiegen, vervielfachten sich auch die Reserven der anderen nationalen Währungen. Und was konnte man dann mit dem Dollar machen? Vor 1971 hätte man die Dollar dem US-Finanzministerium vorgelegt und eine Unze Gold pro 41 Papierdollar bekommen. Um das Gold einer Nation zu schützen, hätten die Zentralbanken diese goldene Punschbowle zur Seite geschoben - und die Zinssätze nach oben gebracht. Ausländer wären dadurch angeregt, ihre Dollar zu behalten (anstatt sie gegen Gold auszutauschen) und Amerikaner wären demotiviert gewesen, ihre Dollar auszugeben: Dadurch wären US-Konsumausgaben gesunken und die US-Bilanz hätte ihr Gleichgewicht wieder gefunden.

2001 hat die von Alan Greenspan geführte US-Finanzbehörde gedacht, es stehe eine Krise vor. Sie geraten in Panik - und fingen an, in Amerika Kredit zu unterstützten. Die Geld- und Kreditversorgung wuchs immer schneller, da nicht mehr da war, das zu verhindern. Und so kam es, dass Amerikaner immer mehr Geld ausliehen, anstatt nach den Werten zu leben, die sie reich machten: Geld sparen, Fabriken bauen und neues Fachwissen lernen.

Jetzt werden ihre Häuser zwangsvollgestreckt und ihre Rechnungen sind bald fällig. Und noch schlimmer, der Wert ihres wichtigsten Kapitals - d.h. ihre Zeit - verliert an Wert wie der Dollar.

Nach unserer Quelle verdiente der durchschnittliche amerikanische Arbeiter Ende des 19. Jahrhunderts schon viel mehr als ein Engländer, d.h. 25 Unzen Gold pro Jahr anstatt 14. Auch er wurde viel reicher mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution. 1971 verdiente er das Entsprechende von 86 Unzen Gold, das heutzutage $86.000 Wert ist.

Aber dann hat er seine Lehre vergessen. Er hat aufgehört zu sparen... sein Einkommen schrumpfte... sein Dollar fiel...

Wenn man sein Gehalt an die Inflation in den Verbraucherpreisen anpasst, verdient er heutzutage etwas weniger als Ende der 70er während der Carter Administration. Und wenn man sein Gehalt an den Fall des Euros anpasst, sieht man, dass der durchschnittliche Amerikaner weniger als der durchschnittliche Deutsche verdient. Und wenn man sein Gehalt an Gold anpasst, zeigen die Zahlen, dass er ein halbes Jahrhundert an Gehaltserhöhungen verloren hat.

Heutzutage verdient er nur das Entsprechende von 40 Unzen Gold - ungefähr nur $38.000.

Bill Bonner, 21 Apr '08

Bill R. Bonner ist der Gründer und CEO von Agora Inc., einer der grössten Verlage für Investionen und Beratung. Er ist auch der Editor von The Daily Reckoning (im deutschprachigen Raum Investor Verlag) und Author u.a. von dem Bestseller Das Schuldenimperium.