Gold, Dollar, Handelsdefizit und Opium - Teil 1 - 19 Juni 2008

Wie können die Vereinigten Staaten von Amerika ihr Handelsdefizit mit China ausgleichen? Die Geschichte könnte diese Frage beantworten...

SPIELEN HANDELSDEFIZITE EINE ROLLE? Genauso wie englische Missionare die aller erste chinesische Bibelübersetzung beendeten, findet sich heute das Britische Imperium mit einem noch schwierigeren Übersetzungsproblem konfrontiert.

Die englische Sprache nach China zu exportieren (mit ein bisschen guten Willen beidseits) hat sich als viel einfacher erwiesen, als das Exportieren englischer Produkte in den 1830ern.

Ausländische Importe dagegen stiegen unaufhörlich, seit die Industrielle Revolution mit Volldampf neue Konsumenten mit ihren neuen beliebtesten Produkten versorgte: Tabak, Zucker, Kaffee, Kalikos, Porzellan und Seide. Es wurde also mehr Importiert als Exportiert.

Sicher, Grossbritannien besass die Anbaugebiete in den Antillen und die Fabriken in Bengalen, da sie Teil des Britischen Imperiums waren, so dass diese Handelsdefizite nicht wirklich existierten oder wichtig waren. Aber “die Briten waren spektakulär erfolglos, irgendein Produkt zu finden, dass sie den Chinesen verkaufen konnten oder das die Chinesen haben wollten” wie Jonathan Spence, Geschichtsprofessor an Yale, in seinen Reith Lectures für die BBC letzte Woche festhielt.

Damals wie Heute “bestand das Problem des Ungleichgewichts zwischen Import und Export”. So waren die Händler gezwungen für das Verschiffen der von den Konsumenten in England erwünschten Waren im Voraus zu bezahlen.

Zu dieser Zeit war für Engländer Geld das Gleiche wie Gold und es sollte noch bis zum Goldstandard 100 Jahre später auch so bleiben. Nur, die Chinesen bevorzugten Silber.

(Tatsächlich hat China Gold nie wirklich angenommen. Und während Grossbritannien sich schnell von der grossen Depression erholte, in dem es 1931 Gold durch unbedecktes Papiergeld ersetzte, gibt es eine Theorie, nach der sich China gerettet habe, in dem es sich strikt an dem Silberstandard gehalten hat).

Mit anderen Worten, im frühen 19. Jahrhundert war das Wechseln von englischen Pfund in chinesische Yuan nichts anderes als Gold gegen Silber zu wechseln, was wiederum hiess, auf dem europäischen Edelmetallmarkt zu handeln. Die fälligen Kommissionen an Händler in Paris oder Preussen, zusammen mit den Kosten für den Transport nach China und dann wieder zurück, trug dazu bei, das Defizit zwischen Import und Export zu vergrössern.

Was war also zu tun?

Ein kleiner Anteil der englischen Baumwolle fand einen Markt in China, aber das Volumen war viel zu klein, um das Handelsdefizit auch nur annähernd zu decken. Gold wurde unaufhörlich aus London ausgeführt, was die alteingesessenen Wirtschaftswissenschaftler wütend machte. Diese befürchteten, dass das Exportieren von so viel Gold zu einem Engpass an Goldmünzen in der englischen Wirtschaft führen könnte, sowie den Verfall des englischen Pfundes einleiten könnte, und auch ausländische Arbeitnehmer beschäftigen und die Profite an ausländische Arbeitgeber bezahlen, und England dadurch ohne finanzielle Mittel für einen eventuellen militärischen Konflikt da stehen zu lassen.

So kam es, “dass das melancholische Scheitern des Versuchs die Handelsbilanz ausgeglichen zu gestalten, dazu geführt hat, dass Opium als Handelprodukt mit China massiv zunahm” erklärt Professor Spence. Opium aus Indien “wurde von britischen Händlern (später auch von amerikanischen Händler) an die Chinesen aus dem einfachen Grund verkauft, dass der Westen nicht genug Produkte herstellen konnte, an denen die Chinesen interessiert waren”.

Weitverbreitetes rauchen von Opium und sozialer Zusammenbruch lassen sich schwerlich mit Regierungspolitik vereinbaren – wenigstens nicht innenpolitisch. Opium war schon seit dem Vertrag von Nanjing verboten. Nach 10 Jahren vergeblichen Versuchen die englischen Drogenhändler zu vertreiben, ohne den Zufluss von Silber zu unterbinden, rangen sich die Chinesen zu einem drastischen Schritt durch.

Der chinesische Gouverneur liess 20.000 Kisten Opium (ungefähr 1.200 Tonnen) in Guangzhou beschlagnahmen; Londons Antwort war Krieg. Der daraus resultierende Opiumkrieg von 1839 dauerte drei Jahre und endete mit dem Abkommen von Nanjing. Er verpflichtete die Chinesen u.a. zur Öffnung verschiedener Handelshäfen für ausländische Händler, zur Duldung weitgehend unbeschränkten Handels, zur Abtretung Hongkongs sowie zur Bezahlung von Kriegsentschädigungen.

Was immer China an Handelsrechten oder Konzessionen in der Zukunft vergeben würde, Grossbritannien würde im gleichen Massen davon profitieren. Auch wenn Opium nicht wörtlich im Abkommen erwähnt war, würde das Handelsdefizit auch in Zukunft eher durch Drogen statt mit harter Währung beglichen werden.

Mit Blick auf die Geschichte, wie werden die USA ihr Handelsdefizit begleichen...?

Adrian E. Ash, 19 Jun '08

ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications, Londons Top-Verlagshaus für Finanzpublikationen und zwischen 2003-2008 City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist regelmäßiger Autor für 321gold, FinancialSense, GoldSeek, Prudent Bear, SafeHaven und Whiskey & Gunpowder neben vielen anderen führenden Investmentportalen, zu denen er als Goldmarkt-Experte beiträgt. Darüber hinaus ist Adrian Ashs Meinung auch bei renomierten Medien und Nachrichtendiensten wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg oder auch dem Stern gefragt.