Gold und das Ende der Geschichte - 31 Oktober 2007

Das Ende der Geschichte kam in den 1990er nicht. Und der Tod des Goldes gab es in diesem Jahrzehnt auch nicht...

WAS MAN DENKT, hängt davon ab, wo man sich befindet. Und am Anfang des Jahre 2000 befand sich der Oxford Historiker Niall Ferguson (so wie auch alle anderen, die sich in einer ähnlichen Lage befanden) am Ende zweier Jahrzehnten der bärischen Phase, die Gold als eine wertvolle Anlage bezeichnete.

Professor Ferguson konnte natürlich nicht wissen, dass der 20 Jahre lange Bärenmarkt für Gold in Kürze an einen absoluten Tiefpunkt gelangen würde. Und er konnte auch nicht wissen, dass seine eigene Karriere im Fernsehen und als Bücherauthor kurz danach anfangen würde und im einen Arbeitsplatz an der Harvard University und an der Harvard Business School zusammen mit einer wöchentlichen Kolumne im Los Angeles Times bringen würde.

In seinem Die Geldverknüpfung, Geld und die Macht in der modernen Welt, so sein 2001 veröffentlichte Buch, hätte er sich wenigstens fragen können, ob die Zukunft etwas anderes für Gold mit sich bringen wird.

In Ende genommen ist die Lehre der Geschichte, dass nichts für immer und ewig dauert... nichts, ausser vielleicht Gold selbst. Denn es ist das am wenigsten reaktive Metall, und ausser mit Zyanid kann es auch nicht zerstört werden. Gold wird seit 3500 Jahren auf der ganzen Welt als Vermögensanlage benutzt. Am Ende des 20. Jahrhunderts sah die jüngste Vergangenheit aber eher wie die Todesanzeige der „barbarischen Reste“ der Könige der Antike aus.

1997 sprach The Financial Times von dem "Tode von Gold" zusammen mit dem fast jährlichen Gerede von The Economist gegen Gold während des ganzen Jahrzehntes. Im Oktober 1999 schrieb BusinessWeek, dass „diese Antike Reichtumsart immer weniger eine internationale Währung und eine Vermögensanlage ist, als je zuvor.“

„Es ist nur ein anderer Rohstoff, der nach dem Rhythmus der globalen Nachfrage und Angebot schlägt.“

Kurz gesagt, „die Golddämmerung schien gekommen zu sein“, meinte Professor Ferguson, und trat von dem Vorlesungssaal in das Zigeunerzelt der Wahrsager ein. „Ja, der totale Ausfall ist noch ein Stück weit weg“, sah er in Die Geldverknüpfung hervor, denn „Gold hat eine Zukunft, das stimmt, aber vor allem in der Schmuckindustrie.“

Die ganzen von ihm aufgelisteten Beweise wiesen am Ende dieses Jahrhunderts auf die „kriechende Entwertung“ von Gold. Der internationale Goldstandard brach am Anfang des 1. Weltkrieges zusammen, nachdem er nur 13 Jahre lang die globalen Finanzen dominierte. Das folgende System des Goldwechsels gegen den Weltwährungen schien die Great Depression nur noch zu verbreiten und zu vertiefen. Danach brach es am Anfang des 2. Weltkrieges zusammen.

Die Vereinigten Staaten hörten dann 1971 auf, Gold gegen den Dollar zu bezahlen: Dies vernichtete die Vereinbahrungen von Bretton Woods nach dem 2. Weltkrieg und alle Verbindungen zwischen der weltweit wichtigsten Währung und den „barbarischen Reste“ des Goldes.

Witzig ist, dass das Ende der Konvertibilität von Gold in Dollar Anfang 1980 einen 24-maligen Zuwachs der in Dollar angegeben Goldpreise verursachte. Aber „der Anstieg der Goldpreise am Anfang der 1970er bewies eine geschichtliche Anormalität“, meinte Ferguson, als das 20. Jahrhundert zum Ende kam, „und spiegelte einen plötzlichen Zuwachs in der Goldnachfrage wieder... und die schnelle Entwertung der meisten westlichen Währungen, die mit Öl und anderen Rohstoffe verbunden sind.“

Die „geschichtliche Anormalität“ von Gold zu $850 hat nur einen Tag gedauert – den 21. Januar 1980 - und danach sank die Rolle von Gold als monetärer Bestand fast so schnell wie sein Preis. Ende 1999 befand sich der Goldpreis auf dem tiefsten Punkt in den letzten 20 Jahren. Die britische Regierung , die ein Jahrhundert davor den internationalen Goldstandard gegründet hat und dessen Vormud war, beschloss zu diesem Zeitpunkt, ihre nationalen Goldreserven zu verkaufen und dafür Dollar, Euro und Yen in den Tresoren der Bank of England zu lagern.

Zur gleichen Zeit verkaufte auch die Schweizerische Nationalbank (die letzte aller Zentralbanken, die in den 1930er von dem Goldstandard abtrat) die Hälfte ihrer Goldreserven. Wegen diesem Verkauf musste das schweizer Grundgesetzt verändert werden, was ein nationales Referendum benötigte und die Neuschreibung der schweizer Währungsstatute! Aber die Zentralbanken in Argentinien, Österreich, Australien, Belgien, Kanada, Luxemburg, Indien und der Tschechischen Republik hatten zu diesem Zeitpunkt schon angefangen, Gold zu verkaufen.

Wovor hatten also die Schweizer Angst? Welchen Komfort wollten sie überhaupt durch Gold erreichen? Die Veränderungen wurden zugestimmt... die juristische Verbindung zwischen dem schweizer Franken wurde am Schluss abgeschnitten.... und so begann die SNB ihren Verkauf von 1300 Tonnen Gold innerhalb von 5 Jahren.

„Von der Perspektive der Investoren im westlichen Teil der Welt, wo die Möglichkeit (oder zumindest die Erinnerung) einer finanziellen Katastrophe zurückweichte, hat die Golddämmerung etwas Sinn“, schrieb Ferguson weiter. „Als Investition hat Gold im Vergleich zu Aktien und Regierungsanleihen in den USA und in Grossbritannien während des letzten Jahrhunderts bemerkenswert zu wenig geleistet. „

Die Welt von Oxford betrachtend meint er aber, dass "Gold deshalb eine Zukunft als Vermögensanlage in jenen Teilen der Welt hat, die noch auf primitive und unstabile Geld- und Finanzsysteme beruhen.“

„Gold wird [auch] weiterhin eine begehrte Vermögensanlage in jenen Ländern sein, in denen die nationale Währung oder das Banksystem unsicher sind", fügte er hinzu, und deutete auf die ehemalige Sowjetunion.

Wenn man aber bedenkt, was seit dem auf dem Goldmarkt geschehen ist, möchte der Herr Professor Ferguson ja vielleicht seine Meinung über die Währungen und das Banksystem der westlichen Welt ändern. Nach dem Ansturm an Northern Rock in Grossbritannien im September dieses Jahres (und den knapp vermiedenen Ansturm an Countrywide Bank in Kalifornien, über den sogar Ferguson vor kurzen in einer Kolumne im L.A. Times berichtete) möchten ja vielleicht auch noch die westlichen Regierungen ihre Geringschätzung über Gold, diesen „barbarischen Rest“, ändern.

Wenn wir jetzt aber 2007 in Betracht nehmen, ist Gold seiner siebten jährlichen Steigerung nahe. Mit einem Zuwachs von fast einem Viertel gegen den Dollar in den letzten 12 Monaten (und mit einem Hoch von über 10% oder mehr gegen den Euro und dem britischen Pfund in dem gleichen Zeitraum) erleben wir gerade die Rückkehr der "Anormalität" der wachsenden Goldpreisen der 1970er.

Anders gesehen, die westliche Welt hat den „Long Boom“ von 1982 bis 2000 genossen. Dies wurde mal wieder in einer Extrapolation der Gegenwart in die Zukunft in einem gleichnamigen Buch von Peter Schwartz und Peter Leyden (1997 veröffentlicht) beschrieben, und es scheint vor ihrem Termin von 2020 in Erfüllung gekommen sein. Auf seinem Höhepunkt zinste dieser Boom auf dem Nasdaq Einnahmen der Tech-Stocks bis zum Jahre 2146 ab, aber es schaffte es nicht, die Drohung der finanziellen Instabilität in Europa und in den Vereinigten Staaten abzubauen.

Zumindest ist das was der Goldmarkt seit seinem aktuellen Anstieg zeigt. Das Wiederaufleben Goldes ist wirklich Mitte 2005 beschleunigt... als die amerikanische Immobilienblase ihrem Höhepunkt näherte.

Und so wie das berühmte 1989 von Francis Fukuyama verkündete „Ende der Geschichte“ Mitte bis Ende der 1990er im Endeffekt nur eine Wochenendeaktion war, war auch der zur gleichen Zeit von Historiker, Experten und Analysten vorhergesehen „Tod von Gold“ etwas vorzeitig.

Vollständige Bekanntmachung: Natürlich sollten Investoren, die jetzt in diesen bullischen Markt eintreten, aufpassen, dass dieser Fehler nicht noch mal gemacht wird. Hier bei BullionVault könnte das Alles auch etwas bunter werden!

Wenn es heute keine schwierige Entscheidung ist, gold zu kaufen, sieht es auch so aus, dass der Höhepunkt für Gold noch weiter weg ist. Und so lange Bloomberg-Kolumnisten schreiben, dass Gold kaufen das gleiche ist, wie an die Zahnfee zu glauben, dann können Sie sich auch damit beruhigen, dass der Durchschnittkonsensus immer noch gegen Goldankauf ist.

Genau so wie am Anfang dieses Jahrhunderts.

Adrian E. Ash, 31 Oct '07

ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications, Londons Top-Verlagshaus für Finanzpublikationen und zwischen 2003-2008 City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist regelmäßiger Autor für 321gold, FinancialSense, GoldSeek, Prudent Bear, SafeHaven und Whiskey & Gunpowder neben vielen anderen führenden Investmentportalen, zu denen er als Goldmarkt-Experte beiträgt. Darüber hinaus ist Adrian Ashs Meinung auch bei renomierten Medien und Nachrichtendiensten wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg oder auch dem Stern gefragt.