Goldpreis in Euro: neues Rekordhoch - 7 Mai 2010

Griechenland und Brandgefahr

Obgleich sich die europäischen Regierungen auf das Rettungspaket verständigt haben (Griechenland erhält Kredite über einen Zeitraum von 3 Jahren in Höhe von insgesamt 110 Milliarden) blieb und bleibt die Angst vor dem Flächenbrand bestehen. Die EZB hat darüber hinaus ihre Mindestanforderungen für griechische Staatsanleihen zur Hinterlegung als Sicherheit bis auf weiteres ausgesetzt. Dennoch ist die Skepsis hoch, insbesondere was die Fähigkeiten oder Möglichkeiten Griechenlands angeht, die angestrebten Sparziele umzusetzen, durchzuhalten und weitere strukturelle Reformen durchzuführen. Investoren befürchten nun, dass Griechenland nach 2012, wenn das EU/IWF-Hilfspaket ausläuft, weiterhin große Probleme haben wird, sich selbstständig über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Wenn dies geschieht, könnte eine Umstrukturierung der Schulden im Grunde aktuell nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sein. Dann aber, wenn Griechenland freiwillig den Weg der Umschuldung geht, müssen die Gläubiger deutliche Abschläge hinnehmen. Zudem verschärfen die anhaltenden Streiks in Griechenland, die zuletzt sogar Todesopfer gefordert haben, die Situation. Die Folge ist eine wachsende Unsicherheit bezüglich der anderen hochverschuldeten Staaten. Der Reihe nach gerieten Portugal, Spanien und zuletzt auch Italien, Irland und Belgien unter den Panik-Druck. Steigende Zinsen und CDS-Spreads machen Europa zum Pulverfass.

Der Markt wartet auf klare Ansagen aus Europa

Der Euro auf Tauchfahrt, die Europäer in Brandgefahr, steigende Renditen und CDS-Spreads für gefährdete Staaten und der oberste Währungshüter der Eurozone erweckt den Eindruck, vorzeitig in Rente gehen zu wollen. Ich will nicht unfair sein, im Moment möchte ich auch nicht in Jean-Claude Trichets Haut stecken, aber es ist mehr als peinlich, dass erst die Ankündigung aus dem US-Finanzministerium, man werde beim kommenden G7-Treffen über Griechenland und die Schuldenproblematik sprechen, ein wenig Ruhe in die Kiste bringt. Eine Aufgabe, die eigentlich den Europäern zukäme und wenn die Politik sich nicht traut, dann wenigstens der Zentralbank. Aber Trichet wirkte gestern mehr als unentschlossen (ich möchte ja nicht sagen: apathisch). Auf die Frage ob die EZB nun auch den Kauf von Staatsanleihen bedenkt, gab es nur ein müdes: darüber haben wir nicht gesprochen! Natürlich, hierbei handelt es sich um ein mehr als heikles Thema und die Entscheidung zu treffen (egal wie sie ausfällt) ist schwer. Aber der Markt braucht irgendein verlässliches Zeichen, ein Signal, das zu verstehen gibt, wie ernst die Krise genommen wird - sonst spielt er einfach verrückt! Na ja, so lechzt der Markt weiterhin nach Vertrauen, während die Europäer schlichtweg wohl nicht mehr wissen, was sie nun eigentlich tun sollen. Ob die Sache sich allerdings von alleine lösen wird, ist mehr als fraglich!

Währenddessen...

...in den USA

Dort sind gestern entweder die Händler mit dem Finger verrutscht oder das Handelssystem spielte verrückt. Whatever - die Amis legten einen erstklassigen Crash hin (die Indizes brachen innerhalb von Minuten um 10% ein), erholten sich dann aber bis zum Ende des Tages auf -3%. Zumindest ist mal nicht Griechenland schuld gewesen!

...in UK

Die Briten haben mittlerweile auch die Nase voll. Das Wahlvolk hat gewählt, sich aber im Grunde einer Entscheidung enthalten. Die konservativen Tories haben zwar gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Erst mal eine Patt-Situation - wie es weitergeht wird man sehen! Für mich allerdings ein Ausdruck dafür, wie wenig Vertrauen die Bürger noch in die Politik haben.

...in der Schweiz

Die SNB hat gestern den Widerstand gegen die Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro (vorerst) aufgegeben. Über einen Monat lang hatte die SNB mit Euro-Käufen interveniert und den EUR/CHF-Kurs auf über 1,43 gehalten. Gestern dann das Ende - ob der SNB die Luft ausgegangen ist, oder die Lust vergangen ist - wer weiß?! Laut SNB-Bilanz haben die Interventionen allein im ersten Quartal 2010 ein Volumen von 22 Milliarden Euro erreicht. Jedenfalls sackte EUR/CHF gestern abrupt auf ein Allzeittief bei 1,3991 ab. Heute, dank leichter Zwischenberuhigung, kann sich EUR/CHF wieder leicht erholen und notiert aktuell bei 1,4132."

EUR/USD

EUR/USD geriet in dieser Woche natürlich ebenfalls weiter unter Druck und fiel am Crash-Donnerstag bis auf ein Tief bei 1,2508, kann sich aber heute ebenfalls wieder leicht erholen und notiert aktuell bei 1,2730.

Edelmetalle: Gold

Im Gegensatz zu anderen Rohstoffklassen, haben in dieser Woche, angesichts der Panik und Verwerfungen an den Finanzmärkten, natürlich vor allem die Edelmetallpreise profitieren können. Insbesondere die Flucht in den Sicheren Hafen Gold war in dieser Woche der Unsicherheit Präferenz. Der größte Goldfonds SPDR Gold Trust verzeichnete gestern Zuflüsse in Höhe von 20 Tonnen und erreichte damit ein Rekordvolumen von 1.186 Tonnen Gold. In Euro hat der Goldpreis zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch bei 955 Euro pro Feinunze erreicht. In US-Dollar stieg der Goldpreis mittlerweile über die 1.200 US-Dollar-Marke und erreichte heute in der Spitze 1.210 US-Dollar pro Feinunze. Damit notiert der Goldpreis in USD nur noch knapp von seinem Allzeithoch entfernt. Aktuell notiert der Goldpreis in Euro bei 949 Euro pro Feinunze. Der Goldpreis in USD notiert aktuell bei 1.209 US-Dollar pro Feinunze. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.202,25 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.

Ausblick

Im aktuellen Umfeld von Unsicherheit und Panikreaktionen, bleiben die Edelmetalle gut unterstützt. Insbesondere der Goldpreis dürfte weiterhin deutlich zulegen. In USD ist das Allzeithoch in erreichbare Nähe gerückt, während der Goldpreis in Euro langsam die 1.000 Euro-Marke anvisieren könnte.

Miriam Kraus, 07 Mai '10
Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschaft arbeitete Miriam Kraus als Analystin in einer Zürcher Vermögensverwaltung. Seit 2007 ist sie freiberufliche Finanzanalystin und arbeitet mit dem Investor Verlag zusammen.  Ihre besondere Kennzeichen sind die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte. Mehr über Miriam Kraus...