In Memoriam, Dr. Kurt Richebächer - 4th September 2007
Diskussionen über Zinssätze sind im Grunde genommen keine mathematische sondern eine moralische Sache...
WIR HALTEN für einen Moment inne und zahlen einem der letzten grossen Wirtschaftler dieser Generation die letzte Ehre: Kurt Richebächer.
Er starb letzte Woche in Cannes, seine Familie am Krankenbett. Er war 88 Jahre alt.
Dr. Richebächer verbrachte die letzten zehn Jahre seines Lebens, um das Wort der Österreichischen Schule zu verbreiten. Es ist ironisch, dass er zu der Zeit starb, zu der eine seiner Vorhersagen über den Missbrauch von Kredit sich verwirklicht. Denn er verstand, so wie andere Wirtschaftler der Österreichischen Schule, dass wenn Kredit mehr als Ersparnisse wächst, der ganze Wirtschaftszyklus aus dem Gleichgewicht gebracht wird.
Riesige strukturelle Unausgewogenheiten in der Wirtschaft folgen - im Falle der letzten Kreditblase ist es die Weltwirtschaft.
Wir haben sehr viel von ihm gelernt, vor allem in unseren Jahren in Europa und insbesondere in Frankreich, wo er uns oft angerufen hat, um sich über die neuen statistischen Skandale auszulassen. Wir haben damals das klingelnde Telefon beantwortet und etwas in dieser Art zu hören bekommen: „Herr Denning, die Zahlen des Verbraucherpreisindex sind ganz und gar ein Betrug. Es ist lächerlich. Glauben Amerikaner wirklich, dass die Preise nicht steigen?"
Wir haben gelernt, dass ein wirklicher Gentleman keine Quiche Lorraine an seinem Schreibtisch isst. Während einer seiner Reisen in Paris kam Dr. Richebächer uns in unserem Büro in der Nähe von dem Hotel Deville besuchen, um mit uns zu Mittag essen. "Soll ich Ihnen etwas mitbringen, dann können wir hier essen?", fragte ich und dachte, dass er lieber nicht den ganzen Weg mit seinem mit einer Silberspitze geschmückten Gehstock mache. Er wurde während einem Trainingunfall im zweiten Weltkrieg als Soldat in der deutschen Armee verletzt. Sein Bein wurde nie wieder normal und er zog daher nie in den Krieg, was wahrscheinlich gar nicht so schlecht war.
„Nein, nein, Herr Denning! Wir werden nicht an dem Schreibtisch sitzen und wie Barbaren essen. Wir werden beide ein echtes und zivilisiertes Mittagessen haben.“
Wir haben seit dem sehr oft „Am Schreibtisch“ zu Mittag gegessen, aber niemals ohne an ihn und an seine altertümliche Vorwürfe zu denken.
Am besten können wir uns aber an einen ruhig Nachmittag erinnern, den wir mit ihm in der Eingangshalle des Hotel Raphael an der Avenue Kleber in der Nähe der Champs Elysees verbracht haben. Beim Kaffe trinken hat er eine Zeitschrift auf einen Haufen anderen Zeitschriften geworfen, alle mit oberflächlichen Schlagzeilen gefüllt.
Er seufzte.
„Das Problem, weisst du, ist nicht wirtschaftlicher Art. Man kann es mit Statistiken messen und analysieren, so wie ich es mache, obwohl nicht viele mehr diese Arbeit machen. Es gibt sehr wenige Wirtschaftler, die diese Sachen noch verstehen. Das eigentliche Problem ist dies...
Was wir unseren Kindern mit der Nutzung von Kredit und Schulden antun, ist höchst unmoralisch. Es ist falsch. Es ist falsch, die Zukunft mit unseren Fehlern, Einbildungen und Ambitionen zu belasten.
Dies ist, was wir machen, und es ist beschämend.“
Wir haben das nie vergessen. Die Wirtschaft wurde als moralische Philosophie gegründet, weil sie die Entscheidungen der Menschen in Sachen Geld analysierte. Doch Entscheidungen basieren auf Beurteilung, manchmal rational und manchmal nicht. Und Beurteilung basiert auf Prinzipien, über das, was funktioniert... was fair ist... oder was richtig und was falsch ist.
Diskussionen über Zinssätze sind im Grunde genommen keine mathematische sondern eine moralische Sache.
Ehemaliger Editor von Strategic Investment mit Lord William Rees-Mogg, Dan Denning ist ein selbständiger Investment Analyst in Melbourne, wo er Editor der australischen Auflage von The Daily Reckoning ist. Er ist auch der Bestseller-Autor von The Bull Hunter (Wiley & Sons).











