Wenn Knaben Narren werden - 13 August 2007
Bei allen Finanzblasen muss das Pöbel sich zusammen tun, bevor die Blase platzt...
TAGESHÄNDLER im Frühling 2000, Schuhputzknaben im Jahre 1929, "armseliger Pöbel" im London der 1720er...
Wenn wir die Geschichte der spekulativen Blasen analysieren – und das tun wir bei BullionVault mit grosser Regelmässigkeit -, merken wir, dass sozusagen normale Personen als blasenplatzende Nadeln agieren.
Das Pöbel, das Wichtigste am Gipfel jeder Blase, nimmt dann auch die Rolle des Trottels an. Denn diese Investoren sammeln sich an, wenn die Investitionsgelder auslaufen und sind dann diejenigen, die wie immer den höchsten Preis zahlen. Dazu müssen sie am Schluss zuschauen, wie der Preis des in ihren Händen gesammelten „Vermögens“ stürzt. Und sobald sie sprachlos da stehen, sind die Superschlauen schon auf ihren privaten Jets verschwunden. Mit dem ganzen Geld.
Man kann es als das klassische „Lebenszyklus“ vom Finanzberater betrachten, nur mit einer komischen Wendung: Ihre Ruhe finden Sie, wenn Sie es von "Ansammlung" zu "Verteilung" und dann zu "Erbe" weiterleiten. In einer Blase, die den ganzen Markt umfasst, sammeln die Investitionsgelder erst das Vermögen und verteilen es dann an die schlechten Investitionsgelder, die dann die getilgten Verluste und Schulden erben.
Ha! Da weiss man nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn die armen Trottel merken, dass ihr hart erarbeitetes „Vermögen“ bei dem Weiterverkauf verschluckt wird.
Doch es fehlt noch etwas in dem Muster der letzten noch zu platzenden Finanzblase – die Blase der billigen Hypotheken. Ja, „jeder Narre will ein Knabe werden“, meinte ein Kritiker der Südsee-Blase des 18. Jahrhunderts. Die Darlehen, für die man wenige Beweise der eigenen Zahlungsfähigkeit vorlegen muss, wenn überhaupt, sind nicht um sonst als „Darlehen der Lügner“ bekannt.
Aber die Narren scheitern nicht nur Knaben zu werden, sie verlieren jetzt auch ihre Häuser und haben es geschafft, diesen Blödsinn in den Lebensmittelmarkt einfliessen zu lassen. Die grössten Exzesse befinden sich ganz oben in der superfeinen Hochfinanz, wo die hypothekarisch gesicherten Wertpapiere, die Einlagezertifikate und die besicherten Darlehen – zum Glück – immer noch nicht den normalen Investoren mit einem Anruf an den Börsenmakler verkauft werden können.
Das „Darlehen der Lügner“ von 2003-2006 hat in der Tat während dieser letzten guten Jahre des Hausmarkt-Booms in den USA die Hypothekengeldgeber und ihre Kreditoren (d.h. die Investmentbanken) dazu gebracht, bei jeder Angelegenheit die Narren spielen zu lassen.
Zwischen 1998 und 2006, so die First American Financial, sind in den USA die Hypothekengarantien wie folgt geändert:
- Hypotheken mit flexibler Verzinsung stiegen als Prozentsatz der neuen Hypotheken von 0,7% auf 69,5%.
- Negative Tilgungsnaleihen, bei denen die geschuldete Hauptverpflichtung im Laufe der Zeit wächst, gewachsen von 0% auf 42,2% des Markts.
- Die Hypotheken, für die der Kreditnehmer nur die Zinsen sofort und die Hypothek selbst erst später zahlen muss, sind von 0,1% auf 35,6% gestiegen.
- Silent Seconds – diese Hypotheken basieren auf offenen Hypotheken von irgendwie verwandten Personen und sind von 0,1% auf 35,6% gewachsen.
- Low Documentation (d.h. je grösser die Lüge desto grösser das Darlehen) sind von 57% auf 79,8% gestiegen.
Kurz gesagt hat der amerikanische Hypothekenmarkt von den vorsichtigen Darlehen zu festem Zinssatz auf Hypotheken mit beweglichen Sätzen umgewechselt... und die darunter liegenden Schulden wurden nicht angefasst bzw. wuchsen um so mehr, je schwieriger es für Kreditnehmer wurde, ihre Schulden abzubezahlen und die Zahlen ihrer Darlehenantrag zu frisieren.
Was am interessantesten ist, meint Robert Rodriguez von First Pacific Advisors, „ist, dass die Veranlassungsvolumen für die letzten zwei Jahren, als der hervorragendste Verfall der Garantiestandards geschah, insgesamt mehr als die zusammengesetzten sieben Jahre davor ist."
In anderen Worten, und wie in jeder Blase davor, war der Wert von Geld, das aus Investitionsgelder am Höhepunkt des Skandals über die amerikanischen Immobilienhypotheken ausgeliehen wurde, grösser als die ganze Ansammlung davor. Aber diese schlechte Investitionsgelder, die zu diesem Höhepunkt hereingepumpt wurden, kamen von den Hedge-Fonds und den Wall Street-Insider, anstatt umgekehrt. Dieses Mal mussten sie den Trottel spielen – und ihr Geld an den Hausausleihende Markt ausleihen, in dem sie hypothekarisch gesicherte Anleihen mit null Hoffnung einer Zurückzahlung kaufen mussten.
Ein Sieg für uns arme Trottel im unteren Teil der Leiter? Das Problem für den „armseligen Pöbel" ist, dass die Knaben und die Narren von Bear Stearns, Queen’s Walk, Basis Capital u.s.w. unsere Pensionsersparnisse benutzt haben, um diese Blase wachsen zu lassen.
Nach einem Bericht von Greenwich Associates am 18. Juni, sagt Paul Gallagher in Executive Intelligence Review, „gehören 24% aller hyper-fremdfinanzierten Vermögen, die von grossen Hedge-Fonds (1$ Milliarde oder mehr) verwaltet sind, Pensionsfonds und Stiftungen. Dieser Durchschnitt ist knapp unter der 25% Grenzen, zu dem ein individueller Hedge-Fonds (nach dem [US] Employee Retirement Income Security Act (ERISA), wie in 2006 geändert) ein Anlageberater mit treuhänderischer Haftung für den Pensionsfonds wird, der die Investitionen bestimmt - was Hedge-Fonds natürlich nicht machen wollen.“
Und viel mehr als das haben Pensionsfonds ein Fünftel des Geldes lockergemacht, das in Fonds der Hedge-Fonds liegen, d.h. die ansammelnde Superfonds, die von vielen grossen Banken verwaltet sind. Im ersten Semester in 2007 ungefähr 40% der Bewegungen in dem Bereich der Hedge-Fonds kam aus den Pensionsfonds. Und „solange Gelder aus den Pensionsfonds hereinkommen“, meint Gallagher, „können die Investitionsgelder raus fliessen.“
„Der allgemeine Kapitalumlauf in Hedge-Fonds ist dramatisch gefallen – von $40 Milliarden pro Quartal im Januar-September 2006 auf nur $12 Milliarden im letzen Quartal in 2006, und dann weiter auf $20,7 Milliarden im ersten Quartal in 2007. Viele Berichte inklusive eines von Hedge Fund Research Inc. in Chicago zeigen, dass „Personen mit hohem Eigenkapital“ zwischen 2006 und 2007 ihre netto Investitionen in Hedge-Fonds bis zur Hälfte reduziert haben – und ihr dafür mehr in Immobilien und Aktien stecken. Sie sind nur 20% des Vermögens der Hedge-Fonds, die vermutlich für sie gedacht waren.“
Noch Ende Mai dieses Jahres erklärte Jean Fleischhacker, ein senior Geschäftsführer bei Bear Stearns, einer Gruppe Vermögensverwalter, dass sie 20% jährliche Einnahmen von nicht bewerteten, hypothekarisch gesicherten Kreditderivaten erreichen können. Die grösste Bank in den Vereinigten Staaten, Citigroup, hat allein dem California Public Employees’ Retirement System schon $140 Millionen von diesem „Giftmüll“ verkauft.
Miglieder des Calpers Plans sollten sich doch zusammen mit allen anderen wundern: Wie viel sind diese $140 Millionen heutzutage wert? Denn der „armselige Pöbel“ ist wirklich in diese riesige Blase der Darlehen der Lügner eingestiegen.
In Wirklichkeit wussten die Meisten in dieser Geldblase gar nicht, dass sie überhaupt darin verstrickt sind – schon gleich gar nicht, dass sie in ein Minenfeld eingetreten sind.
ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications, Londons Top-Verlagshaus für Finanzpublikationen und zwischen 2003-2008 City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist regelmäßiger Autor für 321gold, FinancialSense, GoldSeek, Prudent Bear, SafeHaven und Whiskey & Gunpowder neben vielen anderen führenden Investmentportalen, zu denen er als Goldmarkt-Experte beiträgt. Darüber hinaus ist Adrian Ashs Meinung auch bei renomierten Medien und Nachrichtendiensten wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg oder auch dem Stern gefragt.










