Vier Fragen über Silber - 24 Mai 2011
Die jüngste Volatilität hat einige Anleger nachdenklich gestimmt...
Der Silbermarkt erholt sich derzeit immer noch von seinem Rutsch von $50 zu $34 innerhalb einer sehr kurzen Zeit. Silber war schnell von knapp $25 aufwärts geklettert. Die Graphiken liessen auf einen Anstieg auf $29 vermuten, doch Silber stieg höher und über technische Preisspannen hinaus in neues Terrain. Die gesamte Zeit danach bestand die Gefahr des Ausverkaufs zurück zu ungefähr diesem Niveau, schreibt Julian Philips vom GoldForecaster.
Viele glaubten, es könnte durchaus auf $20 fallen, bevor es sich erholt, doch es prallte bei $32 ab und hat sich seitdem bei über $34 gefestigt. Danach haben die Verkäufe aufgehört und Käufe haben angefangen, doch die Festigung auf diesem Niveau deutet darauf hin, dass der Markt sich für einige Zeit an diese Preise gewöhnen muss, bevor diese einen Boden etablieren, das vorsichtigen Käufern erlaubt, in den Markt wieder einzusteigen.
Anleger müssen sich fragen:
- Sollte man Silber, so wie Gold, als finanzielle Sicherheit sehen?
- Wird es in den Augen der Zentralbanken und weltweiter Investoren jemals den Status eines Geldmittels erreichen?
- Für manche ist die wichtigste Frage seine künftige Volatilität. Kann der Silbermarkt manipuliert werden?
- Kann der Silbermarkt aufgekauft werden, so wie es die Hunt Brüder aus Texas einst versuchten?
In den entwickelten Ländern werden Anlagen nicht als finanzielle Sicherheit gesehen, sondern eher als Quelle von Profit. Anleger bilden ihre eigene finanzielle Sicherheit durch die Profite, die sie über die Jahre machen.
Das beinhaltet, dass Investments für eventuelle Verkäufe gehalten werden, es sei denn, sie wachsen weiter und bringen Erträge und Einkommen für die Zukunft. Anleger müssen ihre Investments ständig beobachten, um sicherzustellen, dass sie Gewinn machen. Die Kontrolle bleibt fest in der Hand des Anlegers.
In den aufkommenden Ländern ist Wohlstand für viele noch neu und Anleger werden ständig an die erst vor kurzem überwundene Armut und die Unsicherheit, Wohlstand zu wahren, erinnert. In China waren Einzahlungen auf Bankkonten die übliche Art von Anlage, bis die Inflation von Nahrung und Energie Unsicherheit und schlechte Performanz zurückbrachte und Zweifel an der Sicherheit von Ersparnissen.
Gold wurde schon immer als wichtige Wertanlage gesehen, um sein Vermögen zu halten, da es gegen Unsicherheit und den Verlust des Vermögens durch Inflation schützt. Neue Anleger haben die Performanz von Gold im letzten Jahrzehnt durch Hochzeiten und unsichere Zeiten hinweg beobachtet. Sie haben gesehen, wie Gold und Silber andere Anlagewerte in einer Umgebung mit schwindendem Vertrauen durchgehend übertroffen haben.
Mit der aufkommenden Mittelklasse im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus, glauben Anleger von Gold und Silber immer mehr, dass beide Edelmetalle als finanzielle Sicherheit und echtes Geld betrachtet werden sollten.
Die Tatsache, dass Gold in den Devisenreserven von ausländischen Nationen vertreten ist, ist Beweis genug, dass Gold ein Geldmittel ist. Wir sehen die Anzahl der Zentralbanken überall auf der Welt, die immer mehr Gold kaufen und es nicht mehr verkaufen. Doch es befindet sich kein Silber in den Tresoren der Zentralbanken. Silber war nicht einmal ein wertvolles Tauschmittel in der Vergangenheit.
Silber wird höchstwahrscheinlich nicht als Geldmittel zurückkehren oder ein Teil der Reserven von Zentralbanken werden, bis das gegenwärtige Zahlungssystem in Verruf gerät. Es ist zu sehr ein industrielles, konsumierbares Metall, als dass es die Charakteristik eines Metalls als Geldmittel haben könnte. Es könnte einen Comeback haben zu einem Preis, dass weit über dem derzeitigen Niveau liegt, aber das ist unwahrscheinlich. Der Status als "Geld-Metall" kann nur von Zentralbanken vergeben werden, nicht von Anlegern.
Wenn Anleger Silber jedoch als Geld betrachten - das Gold armer Leute, wie einst - dann wird es in den Augen dieser Anleger zu einem Status von echtem Geld aufsteigen und die Zentralbanken wären kein Problem. In den entwickelten Ländern ist Silber von diesem Status weit entfernt, ausser in den Händen von einigen Wenigen. In den aufkommenden Ländern sieht die Lage anders aus.
Für Anleger in den aufkommenden Ländern übersteigt der Goldpreis immer mehr ihr Budget. Sie haben keine andere Wahl, als sich zu günstigeren Alternativen zu wenden. In der Vergangenheit war Silber immer ein Metall, dass als echtes Geld galt und finanzielle Sicherheit repräsentierte. Seine Performanz in den letzten Jahren ist Bestätigung genug.
Wenn man bedenkt, dass der Silberpreis einst bei $6 pro Feinunze stand, dann sind asiatische Anleger nicht enttäuscht worden. Ein Rückgang von $50 zu $34 war nicht völlig unerwartet. Es stieg zu hoch zu schnell.
Doch die Natur der Anleger in den aufkommenden Ländern ist so, dass, wenn sie eine "Spitze" im Preis sehen, dann verkaufen sie und hoffen auf einen guten Abfall und die Etablierung eines neuen "Bodenpreises". Danach kaufen sie wieder zurück und halten es weiter. Sie haben kaum vor, aus dem Edelmetallmarkt auszusteigen. Den Beweis dieser Einstellung sieht man an Chinas neuerlichen Silber-Importen.
Die Nachfrage nach Silberbarren betrug im April 339,4 metrische Tonnen. Das lässt sich mit den 302,09 metrischen Tonnen von April 2010 vergleichen oder einem Anstieg von über 12% im Vergleich zum Vorjahresmonat und im Vergleich zu den Silberimporten von den jeweils nur 132,5 und 127,3 metrischen Tonnen im April 2009 und April 2008. Die Rekord-Nachfrage für Silber in 2010 geht in 2011 weiter und höhere Preise halten chinesische Käufer nicht ab. China hat in 2010 3475,4 Tonnen an Silberbarren importiert, das ist ein massiver vierfacher Anstieg gegenüber 2009, als Importe nur 876,8 Tonnen betrugen.
China war ein Netto-Exporteur von Silber bis 2007. Wir erwarten, dass die Zahlen aus Indien den gleichen Trend reflektieren werden.
Silber erholt sich im unteren bis mittleren Bereich von $30 und wird viele Käufer aus den aufkommenden Ländern wieder anziehen.
Mit einem niedrigen Silberpreis in Relation zu den zum Investment zur Verfügung stehenden Volumen an Geldern, wie zum Beispiel in den Top fünf US-Banken, sind nicht sehr grosse Mengen nötig, um Preise hoch und runter zu schieben. Die Behörden selbst haben erklärt, dass es in der Vergangenheit zu Manipulationen des Silberpreises kam. Regulierung und die Medien haben sicherlich einen grossen Anteil davon aus dem US-Markt vertreiben können, doch die Welt ist gross.
Allerdings müssen wir dies relativieren, denn die Anzahl der Investoren, die grosse Mengen an physischem Silber besitzen und verkaufen ist sehr gering. Sobald sie verkaufen, ist ihr Silber weg. Sie müssen darauf hoffen, dass der Silberpreis wieder fällt, so dass sie zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen können oder sie steigen aus dem Markt aus.
Viele haben gehofft, dass der Silberpreis auf $20 zurückfällt, doch der Fall hielt bei $32 an und die aufkommenden Märkte und andere Käufer stiegen ein. Das macht eine wirklich effektive Preis-Manipulation sehr schwierig. Mit dem Aufwärtstrend von Silber wird jeder, der den Markt kürzt, sich die Finger verbrennen. Das Beste, was ein Manipulierer heute tun kann, ist, mit den Preiswellen zu gehen, die wir auf allen Märkten sehen und nicht gegen den Trend zu kämpfen.
Mit der Zeit und mit steigenden Preisen wird der Tag kommen, an dem es sehr schwierig wird, solche Manipulationen kontinuierlich durchzuführen. Doch Silber wird noch für eine lange Zeit sehr volatil bleiben, viel mehr als Gold. Bis wir eine beträchtlich höhere Liquidität auf dem physischem Silbermarkt sehen, könnten Preisschwankungen weiterhin extrem bleiben. Sobald die Liquidität höher ist als jetzt, werden Verkäufer und Käufer von grossen Mengen nur noch kleine Preisschwankungen auslösen. Dann erst wird der Silberpreis so stabil werden wie der Goldpreis.
Doch die Charakteristik der Silberpreisbewegung, die sich etabliert hat auf dem ganzen Weg nach oben, war es, mit Gold zu steigen und mit Gold zu fallen, wenn auch in übertriebener Weise. Dieses Muster lässt sich nun seit einigen Jahren beobachten und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es sich ändert.
1980 schafften es die berüchtigten Hunt-Brüder, den Silberpreis bis zu $50 pro Feinunze hochzutreiben, als sie versuchten, den Silbermarkt aufzukaufen. Sie wurden dann von den Silber-Regulierungsbehörden unter Druck gesetzt und gezwungen, es zu verkaufen. Es gab aber keine anderen Käufer ausser sie selbst, die Silber zu diesen Preisen kaufen konnten. Als sie anfingen zu verkaufen, fiel der Preis wieder auf das Niveau zurück bei dem sie eingestiegen waren.
Daher brauchen Anleger in entwickelten Ländern liquide Märkte, damit sie zu höheren Preisen verkaufen können ohne den Preis zu sehr zu stören. Wenn sie zu viel zu schnell verkaufen, fällt der Preis, so wie wir es jetzt kürzlich sahen von $50 zu $32.
Ähnlich wie die Hunt-Brüder gibt es noch eine andere Art von Aufkauf: Überwiegende Versorgung ohne jegliche Absicht, es überhaupt zu verkaufen. Ein ständiger Verkäufer, der grosse Mengen besitzt, würde den Preis unten halten, solange er Vorräte hat. Indien, China und Russland waren Verkäufer ihrer enorm grossen Silbervorräte, übrig geblieben aus den Tagen, als Silber noch als Tauschmittel genutzt wurde. Das hat die Preise seit den Hunt-Brüdern unten gehalten.
Wir sahen eine ähnliche Situation mit Gold, bis 2009 europäische Zentralbanken ihre Goldverkäufe stoppten. Alle Verkäufe verlangsamten sich, der Goldpreis stieg von seinem niedrigen manipulierten Preis von $275 auf rund $1000 pro Feinunze. In der heutigen Zeit halten oder kaufen Zentralbanken und es ist unwahrscheinlich, dass sie wieder verkaufen.
Goldproduzierende Länder haben keine Absichten zu verkaufen, stattdessen kaufen sie die nationale Produktion auf und reduzieren die Versorgung des Marktes, nicht für Profit, sondern um die nationalen Reserven zu schützen. Falls dies alle goldproduzierenden Länder so handhaben würden, dann hätten wir einen echten Aufkauf des Goldmarktes. Falls die Zentralbanken von silberproduzierenden Ländern entscheiden würden, dass Silber ein Reservenwert werden soll, dann würden sie neu produziertes Silver für sehr lange Zeit aufkaufen müssen, um signifikante Erhöhungen ihrer Reserven zu erreichen.
Für eine private Person, selbst für eine einzige Institution wäre der Aufkauf des Marktes nahezu unmöglich. Es wäre dann möglich (allerdings extrem unwahrscheinlich), wenn die Zentralbanken von silberproduzierenden Ländern sich zusammenschlossen, um den Silbermarkt aufzukaufen. Mit so vielen wichtigen industriellen Verwendungszwecken für Silber, würde so ein Versuch aber weltweit für Verärgerung sorgen. Den Markt aufzukaufen würde in der heutigen Zeit nicht erfolgreich sein.
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JULIAN PHILLIPS schreibt für den respektierten GoldForecaster.com. Er begann seine Karriere 1970 in den Finanzmärkten, nachdem er in der britischen Armee als Offizier der leichten Infanterie in Malaya, Mauritius und Belfast diente.
Er arbeitete erst bei Timber Management und später bei der London Stock Exchange, wo er Mitlied war und sich von Anfang an auf Währungen, Gold und den "Dollar Premium" spezialisierte. Nachdem er nach Südafrika zog, arbeitete Julian Phillips als Makroökonom bei der Electricity Supply Commission, wo er für Währungen des Kredit-Portfolios verantwortlich war. Danach wechselte er zur Chase Manhattan und später zu der englischen Handelsbank Hill Samuel in Johannesburg über.
Hier spezialisierte er sich auf Gold. Danach zog er nach Kapstadt, wo er die Fonds-Management Abteilung des Board of Executors gründete. Dann kam Julian zur "Goldwelt" zurück und teilt jetzt sein ausserordentliches Wissen und seine Erfahrungen bei Global Watch - The Gold Forecaster.










